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7.3.2.6.2 ZVEI-Kennzahlensystem

Hintergrund

Vom Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) wurde 1969 das ZVEI-Kennzahlensystem entworfen. Es handelt sich um eine „Ver­bes­serung bzw. Erweiterung des ROI-Kennzahlensystems“ (Witt, F.: ZVEI - Kennzahlensystem, in: Controlling-Lexikon, herausgegeben von Beck-Wirtschaftsberater, dtv, München 2002, S. 855) Es kann branchen­über­greifend eingesetzt werden.

ZVEI-Kennzahlensystem

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(Betriebswirtschaftlicher Ausschuss des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) e.V. (Hrsg.): ZVEI-Kennzahlensystem, Frankfurt 1970, S. 118.)

Aufbau

Das ZVEI-Kennzahlensystem hat, wie auch schon das Du-Pont-Kenn­zah­lensystem, die Form einer Kennzahlenpyramide. Es handelt sich um eine Mischung aus Rechen- und Ordnungssystem. Die Unterteilung des ZVEI-Kennzahlensystems erfolgt in eine Wachstums- und Struktur­ana­lyse.
Bei der Wachstumsanalyse werde absolute Kennzahlen, z.B. die Um­satzerlöse, „der aktuellen Periode und der Vorperiode sowie deren pro­zentualen Veränderungen betrachtet“ (Piontek, J.: Controlling, München 1996, S. 356) und verglichen. Anhand einer Aufteilung dieser Kennzahlen in 5 Gruppen soll eine Analyse der Vertriebstätigkeit, des Ergebnisses, der Kapitalbindung, der Wertschöpfung und der Beschäftigung möglich sein. (Vgl. Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen und Managementberich­ten, 6. Auflage, München 2001, S.31)
Bei der Strukturanalyse, welche den Hauptteil des ZVEI-Kennzahlen­sys­tems darstellt, wird ausgehend von der Spitzenkennzahl Eigenkapitalren­tabilität die Unternehmenseffizienz beurteilt.

 

Die Gliederung der Kennzahlengruppen erfolgt hierarchisch innerhalb der 4 Sektoren (s. Abb. 3) und es besteht eine mathematisch Verknüpfung.

 

Die Kennzahlengruppen stellen die Ertragskraft-Kennzahlen und die Ri­siko-Kennzahlen dar.

Diese Gruppen beinhalten als zeitpunktbezogene Risiken die Bestandszahlen (z.B. Lagerbestand) und als zeitraumsbezo­gene Ertragskräfte die Bewegungszahlen (z.B. Umsatz).

 

Daraus ergeben sich wiederum folgende Verhältniszahlen:

 

Risikokennzahlen
Typ A: Bestandszahl / Bestandszahl
Risikokennzahlen
Typ B: Bestandszahl / Bewegungszahl
Ertragskraftkennzahlen
Typ A: Bewegungszahl / Bewegungszahl
Ertragskraftkennzahlen
Typ B: Bewegungszahl / Bestandszahl

 

Das ZVEI-Kennzahlensystem hat einen Umfang von nahe zu 200 Kenn­zahlen, von diesen werden rund 87 Kennzahlen benötigt. Der Rest über­nimmt als Hilfskennzahl die Funktion der mathematischen Verknüpfung des Systems. (Vgl. Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen und Mana­gementberichten, 6. Auflage, München 2001, S.31)

Aufgabe

Das ZVEI-Kennzahlensystem lässt sich als Planungs- und analytisches In­strument darstellen.

 

Als analytisches Instrument versucht das ZVEI-Kennzahlensystem an­hand von Zeit- und Betriebsvergleichen einen Überblick über die Lage des Unternehmens zu gewinnen. Entsprechend der Entwicklung können Ge­fahren aufgedeckt und die Ursachen lokalisiert werden. (Vgl. Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen und Managementberichten, 6. Auflage, München 2001, S.30)
Als Planungsinstrument sollen die Unternehmensziele zahlenmäßig dar­gestellt werden. (Vgl. Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen und Managementberichten, 6. Auflage, München 2001, S.31)

Vorteile

 wesentliche Weiterentwicklung gegenüber dem Du-Pont-System durch Einbezug der Wachstumsanalyse 
 Rentabilitäts- und Liquiditätsgesichtspunkte werden berücksichtigt

Nachteile

Vielzahl an Kennzahlen
 schwierige Abgrenzung zwischen Ertragskraft- und Risikokennzahlen des Typs B (durch Bildung der Inversen kann eine Risiko- in eine Ertrags­kraftkennzahl und umgekehrt überführt werden)
schlechte Überschaubarkeit dadurch Einschränkung der Handhabung in der Praxis
 Berücksichtigung von nur einem Unternehmensziel

 

(Vgl. Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen und Management­berich­ten, 6. Auflage, München 2001, S.32, Vgl. Jung, H.: Controlling, München 2003, S.165, Vgl. Piontek, J.: Controlling, München 1996, S. 356)

HartmannN, 24.02.2005, Seite 1761
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